Von Textern, Grafikern und Klingonen

Kennen Sie das? Eigentlich haben Sie ein ganz einfaches Anliegen. Wollen vielleicht einen neuen PC kaufen. Dann geht der Spaß los: Welcher Chipsatz, welche Festplatte, welche Schnittstellen – schon hängen Sie stammelnd an den Lippen des Verkäufers. Mit jedem Wort aus seinem Munde spüren Sie, dass Sie eigentlich ein Nichts sind und dankbar sein dürfen, wenn er Ihnen überhaupt etwas verkauft. Oder Sie fahren Ihr Auto in die Werkstatt, um das Öl wechseln zu lassen. Hinterher sind Sie froh, dass die Karre nicht auch noch neu lackiert wurde. Widersprechen Sie, überzeugt man Sie wortgewandt, dass Sie bei der Sache eigentlich ja noch billig wegkommen.

Die Art und Weise, wie Menschen das Universum wahrnehmen, scheint doch sehr relativ zu sein. Das ist Einstein im Alltag.

Jetzt bloß nicht vorschnell in die Schelte einstimmen: Auch unter Kollegen in unserer Branche machen unterschiedliche Perspektiven eine Menge Ärger. Nehmen Sie mal Grafiker und Texter. Manchmal kommt es einem so vor, als lebten die in parallelen Welten. Ab und zu tut sich ein Wurmloch auf – dann winkt man sich mal zu, quatscht ein wenig und ist froh, wenn sich das Loch auch wieder schließt. Betritt einer aber die Welt des anderen, so kann das mitunter einen Effekt zeitigen, als würde Antimaterie auf Materie treffen. Oder ein Klingone auf einen Vulkanier.

Gehen Sie als Texter mal zu einem Grafiker und fragen ihn nach der Druckfähigkeit eines Fotos, das Kunde X gerade geschickt hat. Erstmal müssen Sie in 90 Prozent der Fälle warten, bis der Mac den aktuellen Job fertig gerechnet hat. Das dauert. Wenn der Rechner dann wieder frei und das Bild auf dem Schirm ist, kommen Sie unter zehn weiteren Minuten nicht raus. Hinterher schwirren Ihnen dann jede Menge kryptischer Ausdrücke durch den Kopf: Scharfzeichnen, Interpolieren, Artefakte, Pixeln … . Dabei hätte ein einfaches  „Ja“ oder „Nein“ doch genügt.

Ehrlich, ich kann die Grafiker schon verstehen – auch, dass sie standhaft versuchen, sich ihre Texter zu erziehen. Machen wir uns nicht besonders beliebt mit Sätzen wie „Schreibst Du mir mal kurz ein PDF?“ ,„Können wir noch eben einen Kasten einbauen?“ oder „Die Texte kommen erst übermorgen – wann müssen wir nochmal in Druck?“. Und dann zieren wir uns, wenn ein Grafiker schnell was im Copytext geändert haben will.  „Ob man das nun so ausdrücken kann?“,  „Also, so schnell und auf Kommando geht das sowieso nicht.“ oder „Eigentlich müssen wir uns das noch freigeben lassen.“ sind nicht wirklich passende Sätze, wenn an einem anderen Ort gerade die Rotation anläuft.

Ein Wunder, dass Grafiker und Texter in den meisten Agenturen trotzdem friedlich nebeneinander ihr Dasein fristen. Wahrscheinlich liegt das an der Gruppendynamik. In einer Fußballmannschaft sprechen ja auch nicht alle die gleiche Sprache. Manchmal können sie sich noch nicht mal leiden. Aber zusammen gegen den Rest der Welt. Oder des Universums.

Vielleicht schreibe ich mal ein Wörterbuch. Grafikerdeutsch für Texter und vice versa. Mein Beitrag zur Völkerverständigung. Vielleicht klappt es dann auch mit den Klingonen.